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Brief (Transkript)

Wolfgang Panzer an seine Eltern und Geschwister am 21.02.1918 (3.2012.2822)

 

21. 2. 1918.


351.

Meine Lieben!
Ich muß Euch doch wieder einmal einen Brief schreiben, wiewohl ich nicht eigentlich viel Neues zu berichten weiß. Wir stehen natürlich ganz unter dem Eindruck der Tagesberichte unsrer Front und ergehen uns in Mutmaßungen über das Schicksal unserer Division. Ist sie vielleicht geradewegs über die Grenze von Ost-Galizien in die Ukraine eingerückt. Zum Festungsdreieck von Luck, Dubno, Rowno ist es ja von uns nicht so weit, in Galizien haben wir auch nichts mehr zu suchen, andererseits lassen sich so gewaltige Truppenverschiebungen in ein Land, das vorher durch den Stellungskrieg dicht abgeschlossen war gegen das andere, nicht ohne weiteres alle die Verbindungen herstellen, die notwendig sind, um die vorwärts eilende Truppe lebensfähig zu erhalten. Ganz abgesehen von den Bahn- und Nachrichtenmittelverbindungen müssen doch überall Etappenstationen eingerichtet werden, Munitionsniederlagen, Verpflegungsmagazine, alle größeren Orte müssen genügend stark besetzt sein, denn auf dem Kraterboden Rußlands, der in der Ukraine sich durch den Friedensschluß ja wohl etwas gefestigt hat, kann man nie wissen, wo noch einmal ein kleiner Durchbruch stattfinden kann, der womöglich bei ungenügende Sicherung den Rückweg versperren würde. Auch die Tatsache, daß wir infolge der Zusammensetzung unseres Regiment bezügl. des Alters keine übermäßig kampffähige Truppe darstellen, spricht wohl gegen eine Verwendung im Bewegungskrieg. Aber in Galizien können wir nicht mehr lang bleiben. Ich bin bisher ohne jede Nachricht vom Regiment u. lauere gespannt auf irgendwelche Lebenszeichen von Johannes oder dem Regimentsstab. -
Nach den warmen Tagen der ersten Kursuszeit ist bei uns der kontinentale Winter doch wieder in den Vordergrund getreten. Das von uns belächelte Einsetzen von Vorfenstern in der vorigen Woche kommt uns doch noch recht zu statten: Heute hatten wir – 16,5° C, die man heute beim Herumstehen auf dem Schießstand schon etwas spürte. Trotzdem erfüllte ich meine Bedingung gut mit dem leichten Maschinen-Gewehr. Wir mußten zuerst auf 25 m Entfernung ein Scheibenquadrat treffen, das in der Mitte einen Schützen trägt und so groß ist. [Bleistiftskizze Quadrat] Ich habe den Schützen so getroffen, wie ich es hier eingezeichnet habe. Ich kann also noch schießen. Schneidet Euch mal ein Papierchen von dieser Größe und befestigt es im Garten auf 25 m Entfernung am Baum oder der Hauswand, es ist verflucht klein! - Ich habe in den letzten Tagen ein interessantes geol. Buch von Frech (Verwandter meiner Exzellenz, kürzlich in Breslau verstorben) durchgeackert, habe[?] als […] Rückwirkung des Briefes von Joh. Daramann[?] eine Schrift über „Tektonische Evolutionen u. Revolutionen in der Erdrinde“ gelesen, die er mir im Frühjahr 1915 als Geschenk ins Feld geschickt hat. - Jetzt lese ich ein Buch über […] u. [...] mich überhaupt auf jede Weise geologisch u. geographisch zu bilden. Nun aber Schluß! 1000 hrzl. Grüße Euer Euchl. Wolf.

 

 



Ansicht des Briefes

 

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